Dating Apps: Werden wir uns in Zukunft nur noch übers Internet kennenlernen? Teil 1: Vorteile von Onlinedating

Globalisierung, Digitalisierung – das Internet spielt eine immer größere Rolle. Nicht nur im Beruf, sondern auch für das Privatleben. 32% der Erwachsenen in Deutschland haben schon einmal über das Internet einen Partner gesucht und die Nutzerzahlen steigen stetig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Markt sowohl für ältere, als auch für jüngere Nutzer immer interessanter wird. Doch neben den vielen Nutzern hat das Onlinedating auch immer noch Kritiker. Zu Recht?

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© geralt / pixabay

 

4 ½ Gründe für Onlinedating

 

Warum möchten Menschen sich überhaupt übers Internet kennenlernen? Früher hat das doch auch ohne geklappt.

Ja, natürlich haben sich Generationen von Menschen ohne Internet kennengelernt. Die Frage ist aber doch, ob es nicht absolut normal und zeitgemäß ist, über das Internet nach dem richtigen Partner zu suchen. In einer Zeit, in der eigentlich alles übers Internet geschieht: Bewerbungen, Konferenzen, Bankgeschäfte. Da ist es doch überhaupt nicht verwerflich, auch neue Kontakte auf diese schnelle und einfache Art zu finden.

 

1. Die größere Auswahl

Einer der naheliegendsten Gründe für die Partnersuche im Internet ist die größere Auswahl. Man lernt eben Menschen kennen, die man sonst nie getroffen hätte. Über den eigenen Tellerrand gucken – das ist doch eigentlich etwas Positives. Es sind jetzt eben nicht nur noch der eigene Freundeskreis, maximal noch die Freunde von Freunden und die Menschen aus demselben Stadtteil, die als potenzielle Partner infrage kommen.

Tatsächlich besagen auch Statistiken, dass der Hauptgrund zur Nutzung des Internets für die Partnersuche die große Auswahl aus möglichen Partnern ist. Und das ist doch eigentlich nur verständlich. Warum soll man sich mit dem Nächstbesten zufriedengeben, wenn es noch so viele andere, eventuell viel passendere Partner gibt?

 

2. Einfache Kontaktaufnahme

Manche Menschen tun sich einfacher damit, neue Leute anzusprechen, als andere. Viele hoffen, sicherlich auch oft vergeblich, darauf, angesprochen zu werden. Da ist es doch viel einfacher, jemandem erstmal zu schreiben, ohne ihm direkt in die Augen schauen zu müssen. Ganz davon abgesehen, dass man sich so vorher gut überlegen kann, was man schreibt, ohne dass Pausen mit peinlichem Schweigen entstehen. Gerade für etwas schüchterne, zurückhaltende Menschen ideal. Außerdem braucht man bei den meisten Dating Apps ein Match, bevor man schreiben kann. So kann man sich schon einmal sicher sein, dass der Andere einen, zumindest äußerlich, ebenfalls ansprechend findet. Womit wir auch schon bei Punkt 3 wären.

 

3. Weniger Angst vor Zurückweisung

Das Prinzip der meist genutzten Dating Apps, wie Lovoo oder Tinder ist einfach: Man sieht ein Foto eines beliebigen Menschen (häufig jemand, der in der Nähe wohnt), kann sich dessen Profil mit einigen wenigen Grundinformationen anschauen und entscheidet dann, ob man interessiert ist (nach rechts wischen) oder nicht (nach links wischen). Der Andere bekommt ebenfalls die Möglichkeit, durch swipen (so der „Fachbegriff“ für das eben beschriebene wischen) sein Interesse oder Desinteresse zu bekunden. Haben beide nach rechts gewischt, haben sie ein Match. Das heißt, sie sind beide grundsätzlich erstmal aneinander interessiert und haben nun die Möglichkeit zu schreiben.

Das bedeutet, dass man sich beim Schreiben ziemlich sicher sein kann, vom Anderen nicht sofort einen Korb zu bekommen. Ein angenehmes Gefühl von Sicherheit, mit dem die Angst vor Zurückweisung sinkt. Zudem ist auch Zurückweisung bei Dating Apps nur relativ schlimm, denn es gibt ja noch so viele andere tolle Kandidaten, auf die man ausweichen kann, und die ebenfalls nur einen Wisch entfernt sind.

 

4. Es entsteht eine buntere Gesellschaft

Von diesen Gründen abgesehen gibt es eine Statistik, die belegen will, dass Onlinedating für eine buntere Gesellschaft sorgt. Josue Ortega und Philipp Hergovich haben mit einer umfassenden Datenauswertung herausgefunden, dass es zwei große Anstiege der Zahl von interkulturellen Hochzeiten gab: 1995 nach der Gründung der Dating-Website match.com und 2012 nach Tinder.

Allerdings ist die insgesamt steigend Zahl von Hochzeiten zwischen Menschen verschiedener Herkunft meiner Meinung nur zum Teil eine Folge von Onlinedating. Vielmehr passt das zu der gesellschaftlichen Entwicklung, die wir insgesamt durchmachen: Stichwort Globalisierung, bessere Aufklärung und Toleranz.

 

4 ½. Stabilere Beziehungen

Die eben genannten Forscher fanden in ihrer Studie im Übrigen auch heraus, dass Ehen zwischen Menschen, die sich übers Internet kennengelernt haben, länger halten. Das ist für mich allerdings nicht wirklich plausibel, denn warum soll sich die Art des Kennenlernens so auf den weiteren Verlauf der Beziehung auswirken? Da kann ich nicht wirklich einen Zusammenhang finden. Außer vielleicht, dass man im Internet gegen die vielen anderen Mitbewerber bestehen muss. Und ist das einmal geschafft, hat man sich immerhin sehr bewusst für diese eine Person entschieden. Dennoch – aufgrund meiner Zweifel nur ein halber Punkt für Onlinedating.

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© Campbell, Phil / flickr

 

Fazit

Onlinedating hat in etwa so viele Vorteile, wie Nachteile. Letztlich sollte jeder für sich selber entscheiden, ob das was für ihn ist, welche App oder Website die Richtige ist und wen er da kennenlernen möchte; die Liebe seines Lebens oder vielleicht doch nur jemanden für die nächste Nacht. Ob Onlinedating die Zukunft ist? Keine Ahnung. Es wird auf jeden Fall eine immer größere Rolle spielen. Aber ich bin mir genauso sicher, dass sich auch weiterhin Menschen ganz normal auf Partys oder im Seminar kennenlernen. Und dass Verlieben schön ist – egal ob online oder offline.

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